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DIE LINKE. Leipzig

DING DONG DURSTEXPRESS– fragwürdige Praktiken und folgenreiche Standortschließung

Wir fordern Übernahme aller Durstexpress-Mitarbeiter*innen!

Verlockungen und Versprechen im freundschaftlich-lockeren Ton, dafür knallharte Praktiken

Durstexpress, die Oetkertochter, gab sich im Auftreten stets als nettes kollegiales Startup und suggerierte im vertraut-lockeren Ton Unkompliziertheit, Zugewandtheit und Offenheit eines tollen Teams. Relativ rasch und einfach winkten Jobangebote, die ohne große Qualifikation und Bürokratie ein Arbeitsverhältnis versprachen. Die Freude ist selbstverständlich groß, einen solchen Job zu ergattern. Hunderte glaubten an eine berufliche Zukunft zumindest bei offensiv gezeigter motivierter fleißiger Arbeit. Das so freundliche Unternehmen teilt nun seinen 500 Arbeiter*innen mit, das der Standort des bisherigen Durstexpresslagers in Leipzig nach der Fusion mit Flaschenpost geschlossen werden muss. Hunderte sollen bei vagen Aussichten einer Neueinstellung bei der größeren neuen Flaschenpost gekündigt werden. Dieses harte Vorgehen entsetzt. Hinter der freundlichen Fassade steckte aber schon lange eine Praxis, die keinerlei Jobsicherheit versprach.

 

Befristete Verträge von Anfang an – Hire and Fire ohne Hemmung

Die Arbeitsverträge bei der Durstexpress waren zumeist auf ein Jahr befristet. Ob jemand einen neuen Vertrag erhielt, lag ganz im Ermessen des Unternehmens. Auf diese Weise hat Durstexpress seine Mitarbeiter*innen schon immer bei Bedarf still entlassen können ohne sie kündigen zu müssen. Gegen eine Nicht(neu)einstellung kann man schließlich schwerlich klagen. Auch Krankheiten wurden nicht gern gesehen. Selbst diese unverschuldeten Umstände führen gern dazu, dass man nicht mehr unter denen war, die einen neuen Jahresvertrag ergattern konnten.

 

Arbeitsplatz für viele Migrant*innen, dafür möglichst kein Betriebsrat

Vorteilhaft für das Unternehmen stellte sich dar, dass viele lange arbeitslose Leipziger*innen verzweifelt nach Jobs suchten oder in den letzten Jahren zahlreiche Migrant*innen in Leipzig einen Einstieg in die Arbeitswelt schaffen wollten. Viele von letzteren, die – egal wie qualifiziert – in Deutschland stets Probleme haben, einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden, waren froh über jede Möglichkeit einer Beschäftigung. Dieser Umstand ermöglichte es bei der Gestaltung der befristeten Kettenverträge und der Arbeitsbedingungen bisweilen bis an die Grenze des Zulässigen zu gehen. Von Mitbestimmung und Koalitionsfreiheit hält das Unternehmen wenig. Versuche einen Betriebsrat zu gründen oder gar gewerkschaftliches Engagement wurden an mehreren Standorten behindert.

 

Oft kein Wochenende, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, dafür wenig Urlaub

Mit zunehmender Arbeitszeit schlauchte der Alltag: über Monate haben die Fahrer*innen und Lagerist*innen fast nie zusammenhängende Wochenenden, viele arbeiten in Schichten. Freie Tage liegen häufig isoliert mitten in der Woche. Urlaubsgeld gibt es nicht, vom Weihnachtsgeld kann man nur träumen. Beim Urlaub bleibt man an der untersten Grenze. Das Gehalt reicht zum Überleben, am untersten Limit. Optimal sind die Regeln nur für das Unternehmen.

 

DING DONG – ohne Schleppen? – Eine/r schleppt immer

Für die, die bestellen, ein wunderbares Modell: Durstexpress wirbt damit, dass Kund*innen nichts zu schleppen haben. Nicht einmal mehr als im Supermarkt bezahlt man. Dass dies kaum funktionieren dürfte ohne dass jemand die Rechnung dafür bezahlt versteht sich von selbst. Diese bezahlen die Fahrer*innen und Lagerist*innen mit Akkordarbeit. Das Modell scheint gut zu funktionieren. Die Bequemlichkeit vieler dürfte stärkerer Wachstumsmotor für Lieferdienste wie Durstexpress sein als die Notwendigkeit weniger Beeinträchtigter sich Dinge nach Hause liefern lassen zu müssen. Natürlich denken viele Besteller*innen kaum über das nach, was sie da fördern. Was bei Pizza- und Paketlieferungen bereits unmenschlichen Druck erzeugt, wird bei Getränken auf die Spitze getrieben. Bisweilen werden die Bierkästen im Eiltempo in den fünften Stock zu noch sehr starken jungen Menschen geschleppt, die den nächsten Späti gleich um die Ecke haben. Mit Zeitdruck wird sich zur nächsten Lieferadresse gestaut. Im Lager werden derweil in Handarbeit Kästen und Flaschen von der ersten bis zur letzten Minute zusammengestellt, Leergut sortiert usw. Im Sommer oder im Lockdown wird gebuckelt bis Schulter, Knie und Rücken knacken.

Schöne bequeme Welt – alles kommt ins Haus, nur: eine/r schleppt immer!

 

Geschleppt, gebuckelt und geschlossen: zum Dank Standortschließung

Wenn nun all die Mühe belohnt würde, mit Arbeitgeberfürsorge, Gratifikation, Jobsicherheit, mehr Urlaubstagen, Betriebsrente … dann könnte man sagen, es ist ein schwerer Job, aber es sind eben auch vom Unternehmen geschätzte Arbeiter*innen. Doch diejenigen, die mit ihrer Arbeit die Einnahmen und den Gewinn für Durstexpress erwirtschafteten, stehen nun in Leipzig vor dem Aus ihrer Tätigkeit. Mitten in der Pandemie. Ihr Unternehmen hat den Konkurrenten Flaschenpost übernommen. An Standorten mit zwei Lagern der beiden Unternehmen wird die jeweilige Rentabilität der Betriebe geprüft. In Leipzig hat man festgestellt, sei das alte Lager von Durstexpress, für das vor kurzer Zeit im Netz noch massenweise Arbeitskräfte warb, angeblich unrentabler als das des ehemaligen Konkurrenten. Der Belegschaft droht die Kündigung. Bis zu 500 Betroffene werden voraussichtlich ihren Job verlieren. Ein fürsorgliches und dankbares Unternehmen würde allen Mitarbeitenden anbieten, aus dem alten Lager an den neuen Standort mit umzuziehen, ohne Vertragsende. Durstexpress lässt seine Belegschaft sich neu für den verbliebenen Standort bewerben. Standortwechsel ohne lästige anfechtbare Kündigungen. Neu-Flaschenpost kann bezüglich der Glücklichen, die dort genommen werden, bei Arbeitsgerichten wieder einen neuen Vertrag unter neuem Namen vorzeigen, den die Mitarbeiter*innen ja aus so freien Stücken mit dem Unternehmen getroffen haben. Unterwegs zum modernen Logistikstandort weit draußen entsorgt das umgetaufte Unternehmen dabei während des Fusionsprozesses alle, die es loswerden will, denn einen Anspruch auf Wiederbeschäftigung bei Flaschenpost gibt es selbstverständlich nicht. Der Weg der Flaschenpost zum Monopolisten der Getränkelieferbranche lässt nach dieser Aktion für Arbeitnehmer*innenrechte nichts Gutes erahnen.

Es ist Zeit, den Lieferdiensten gesetzlich Dauerbefristungs- und Entlassungs-Praktiken zu verbieten und arbeitsrechtlich dagegen vorzugehen, Betriebsräte zu etablieren. Sollte sich nichts ändern, muss das rücksichtslose Gebaren politisch immer wieder thematisiert und solidarischer Druck aufgebaut werden. Für Leipzig muss die Forderung lauten: Jetzt Übernahme aller Durstexpressmitarbeiter*innen in dem fusionierten Unternehmen Flaschenpost!

 

Der Leipziger Landtagsabgeornete Marco Böhme äußert sich wie folgt zum Thema:

Durstexpress kauft Flaschenpost – haben wieder einmal ostdeutsche Beschäftigte das Nachsehen?

Der Bielefelder Oetker-Konzern hat den Getränkelieferdienst Flaschenpost gekauft und fusioniert ihn mit seinem Online-Getränkelieferdienst „Durstexpress“ zu einer neuen Marke unter dem Namen „Flaschenpost“. Das Unternehmen Flaschenpost beschäftigte zuletzt bundesweit etwa 7.000 Menschen in 23 Städten, Durstexpress war in zehn Städten vertreten. Während die Flaschenpost-Beschäftigten offenbar an anderen Standorten wie Berlin übernommen werden, sollen im Zuge der Fusion offenbar mehr als 500 bisherige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Durstexpress in Leipzig entlassen werden. Sie sollen sich neu bewerben und wollen nun einen Betriebsrat gründen.

Der Leipziger Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion Marco Böhme steht mit ihnen in Kontakt und erklärt: „Wir sehen hier ein unerträgliches Geschäftsmodell ähnlich dem von Flixbus, Lieferando oder Foodora: Konkurrenten aufkaufen, Preise erhöhen und Beschäftigte ausbeuten. Bei Durstexpress in Leipzig waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade dabei, einen Tarifvertrag zu erstreiten. Nun werden sie nicht einmal übernommen. Absurd ist: Nach den mir vorliegenden Informationen betrifft das nur den Standort Leipzig.

Ich fordere Wirtschaftsminister Martin Dulig auf, für Aufklärung zu sorgen und sich für die Beschäftigten am Standort Leipzig einzusetzen. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten. Ein solches Geschäftsgebaren schreit generell nach politischer Regulierung. Wenn Waren des täglichen Bedarfs auf online-Bestellung geliefert werden und letztlich trotzdem billiger sind als im Einzelhandel vor Ort, schadet das nicht nur kleinen regionalen Unternehmen. Die zusätzlichen Lieferfahrten belasten unsere Innenstädte und das Klima in unnötiger Weise.“

 

Auch der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann erklärt sich solidarisch:

Keine Fusion auf Kosten der Beschäftigten – für ein solidarisches Wirtschaftssystem

Der Bielefelder Oetker-Konzern fusioniert den Online-Getränkelieferdienst "Flaschenpost" mit dem „Durstexpress“. Während die Flaschenpost-Beschäftigten offenbar übernommen werden, sollen im Zuge der Fusion über 500 bisher Beschäftigte von Durstexpress Leipzig entlassen werden.

Dazu erklärt der Leipziger Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Leipziger Stadtrat Sören Pellmann: „Während in der Zentrale des Dr. Oetker-Konzerns die Sektkorken knallen und die Konzernführung mit einer weiter wachsenden Rendite rechnet, rechnen die Beschäftigten damit gekündigt zu werden und sich in Coronazeiten auf der Straße wieder zu finden. Mal wieder steht die Gewinnmaximierung vor dem Wohl der Menschen, welche auf ihre Jobs angewiesen sind. Anstatt endlich die Gründung von Betriebsräten zu begrüßen, befristete Arbeitsverträge in ordentliche Stellen umzuwandeln oder Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu zahlen, werden die, die den Erfolg erwirtschaften, bestraft.

Aufgrund des Lockdowns erleben die Lieferdienste einen Nachfrage- und damit Gewinnanstieg. Davon kommt bei den Beschäftigten – außer einem krummen Rücken – nichts an. Dies muss sich ändern. Wir brauchen ein solidarisches Wirtschaftssystem, welches den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

DIE LINKE und ich haben diese Unternehmen schon länger auf dem Schirm. Insbesondere kritisieren wir, dass es weder einen Betriebsrat noch gewerkschaftliche Zugänge gab. Immerhin wollten die Beschäftigten sich jetzt entsprechend formieren. Ob die Betriebsverschmelzung damit zu tun hat, kann nur vermutet werden. Wir als LINKE sind solidarisch mit den Beschäftigen und werden uns in den kommenden Wochen entsprechend einbringen. Ihr Einsatz für den Erhalt und die Verbesserung ihrer Stellen werden wir unterstützen, wo uns möglich ist.“


Termine


DIE LINKE. Leipzig

DING DONG DURSTEXPRESS– fragwürdige Praktiken und folgenreiche Standortschließung

Wir fordern Übernahme aller Durstexpress-Mitarbeiter*innen!

Verlockungen und Versprechen im freundschaftlich-lockeren Ton, dafür knallharte Praktiken

Durstexpress, die Oetkertochter, gab sich im Auftreten stets als nettes kollegiales Startup und suggerierte im vertraut-lockeren Ton Unkompliziertheit, Zugewandtheit und Offenheit eines tollen Teams. Relativ rasch und einfach winkten Jobangebote, die ohne große Qualifikation und Bürokratie ein Arbeitsverhältnis versprachen. Die Freude ist selbstverständlich groß, einen solchen Job zu ergattern. Hunderte glaubten an eine berufliche Zukunft zumindest bei offensiv gezeigter motivierter fleißiger Arbeit. Das so freundliche Unternehmen teilt nun seinen 500 Arbeiter*innen mit, das der Standort des bisherigen Durstexpresslagers in Leipzig nach der Fusion mit Flaschenpost geschlossen werden muss. Hunderte sollen bei vagen Aussichten einer Neueinstellung bei der größeren neuen Flaschenpost gekündigt werden. Dieses harte Vorgehen entsetzt. Hinter der freundlichen Fassade steckte aber schon lange eine Praxis, die keinerlei Jobsicherheit versprach.

 

Befristete Verträge von Anfang an – Hire and Fire ohne Hemmung

Die Arbeitsverträge bei der Durstexpress waren zumeist auf ein Jahr befristet. Ob jemand einen neuen Vertrag erhielt, lag ganz im Ermessen des Unternehmens. Auf diese Weise hat Durstexpress seine Mitarbeiter*innen schon immer bei Bedarf still entlassen können ohne sie kündigen zu müssen. Gegen eine Nicht(neu)einstellung kann man schließlich schwerlich klagen. Auch Krankheiten wurden nicht gern gesehen. Selbst diese unverschuldeten Umstände führen gern dazu, dass man nicht mehr unter denen war, die einen neuen Jahresvertrag ergattern konnten.

 

Arbeitsplatz für viele Migrant*innen, dafür möglichst kein Betriebsrat

Vorteilhaft für das Unternehmen stellte sich dar, dass viele lange arbeitslose Leipziger*innen verzweifelt nach Jobs suchten oder in den letzten Jahren zahlreiche Migrant*innen in Leipzig einen Einstieg in die Arbeitswelt schaffen wollten. Viele von letzteren, die – egal wie qualifiziert – in Deutschland stets Probleme haben, einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden, waren froh über jede Möglichkeit einer Beschäftigung. Dieser Umstand ermöglichte es bei der Gestaltung der befristeten Kettenverträge und der Arbeitsbedingungen bisweilen bis an die Grenze des Zulässigen zu gehen. Von Mitbestimmung und Koalitionsfreiheit hält das Unternehmen wenig. Versuche einen Betriebsrat zu gründen oder gar gewerkschaftliches Engagement wurden an mehreren Standorten behindert.

 

Oft kein Wochenende, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, dafür wenig Urlaub

Mit zunehmender Arbeitszeit schlauchte der Alltag: über Monate haben die Fahrer*innen und Lagerist*innen fast nie zusammenhängende Wochenenden, viele arbeiten in Schichten. Freie Tage liegen häufig isoliert mitten in der Woche. Urlaubsgeld gibt es nicht, vom Weihnachtsgeld kann man nur träumen. Beim Urlaub bleibt man an der untersten Grenze. Das Gehalt reicht zum Überleben, am untersten Limit. Optimal sind die Regeln nur für das Unternehmen.

 

DING DONG – ohne Schleppen? – Eine/r schleppt immer

Für die, die bestellen, ein wunderbares Modell: Durstexpress wirbt damit, dass Kund*innen nichts zu schleppen haben. Nicht einmal mehr als im Supermarkt bezahlt man. Dass dies kaum funktionieren dürfte ohne dass jemand die Rechnung dafür bezahlt versteht sich von selbst. Diese bezahlen die Fahrer*innen und Lagerist*innen mit Akkordarbeit. Das Modell scheint gut zu funktionieren. Die Bequemlichkeit vieler dürfte stärkerer Wachstumsmotor für Lieferdienste wie Durstexpress sein als die Notwendigkeit weniger Beeinträchtigter sich Dinge nach Hause liefern lassen zu müssen. Natürlich denken viele Besteller*innen kaum über das nach, was sie da fördern. Was bei Pizza- und Paketlieferungen bereits unmenschlichen Druck erzeugt, wird bei Getränken auf die Spitze getrieben. Bisweilen werden die Bierkästen im Eiltempo in den fünften Stock zu noch sehr starken jungen Menschen geschleppt, die den nächsten Späti gleich um die Ecke haben. Mit Zeitdruck wird sich zur nächsten Lieferadresse gestaut. Im Lager werden derweil in Handarbeit Kästen und Flaschen von der ersten bis zur letzten Minute zusammengestellt, Leergut sortiert usw. Im Sommer oder im Lockdown wird gebuckelt bis Schulter, Knie und Rücken knacken.

Schöne bequeme Welt – alles kommt ins Haus, nur: eine/r schleppt immer!

 

Geschleppt, gebuckelt und geschlossen: zum Dank Standortschließung

Wenn nun all die Mühe belohnt würde, mit Arbeitgeberfürsorge, Gratifikation, Jobsicherheit, mehr Urlaubstagen, Betriebsrente … dann könnte man sagen, es ist ein schwerer Job, aber es sind eben auch vom Unternehmen geschätzte Arbeiter*innen. Doch diejenigen, die mit ihrer Arbeit die Einnahmen und den Gewinn für Durstexpress erwirtschafteten, stehen nun in Leipzig vor dem Aus ihrer Tätigkeit. Mitten in der Pandemie. Ihr Unternehmen hat den Konkurrenten Flaschenpost übernommen. An Standorten mit zwei Lagern der beiden Unternehmen wird die jeweilige Rentabilität der Betriebe geprüft. In Leipzig hat man festgestellt, sei das alte Lager von Durstexpress, für das vor kurzer Zeit im Netz noch massenweise Arbeitskräfte warb, angeblich unrentabler als das des ehemaligen Konkurrenten. Der Belegschaft droht die Kündigung. Bis zu 500 Betroffene werden voraussichtlich ihren Job verlieren. Ein fürsorgliches und dankbares Unternehmen würde allen Mitarbeitenden anbieten, aus dem alten Lager an den neuen Standort mit umzuziehen, ohne Vertragsende. Durstexpress lässt seine Belegschaft sich neu für den verbliebenen Standort bewerben. Standortwechsel ohne lästige anfechtbare Kündigungen. Neu-Flaschenpost kann bezüglich der Glücklichen, die dort genommen werden, bei Arbeitsgerichten wieder einen neuen Vertrag unter neuem Namen vorzeigen, den die Mitarbeiter*innen ja aus so freien Stücken mit dem Unternehmen getroffen haben. Unterwegs zum modernen Logistikstandort weit draußen entsorgt das umgetaufte Unternehmen dabei während des Fusionsprozesses alle, die es loswerden will, denn einen Anspruch auf Wiederbeschäftigung bei Flaschenpost gibt es selbstverständlich nicht. Der Weg der Flaschenpost zum Monopolisten der Getränkelieferbranche lässt nach dieser Aktion für Arbeitnehmer*innenrechte nichts Gutes erahnen.

Es ist Zeit, den Lieferdiensten gesetzlich Dauerbefristungs- und Entlassungs-Praktiken zu verbieten und arbeitsrechtlich dagegen vorzugehen, Betriebsräte zu etablieren. Sollte sich nichts ändern, muss das rücksichtslose Gebaren politisch immer wieder thematisiert und solidarischer Druck aufgebaut werden. Für Leipzig muss die Forderung lauten: Jetzt Übernahme aller Durstexpressmitarbeiter*innen in dem fusionierten Unternehmen Flaschenpost!

 

Der Leipziger Landtagsabgeornete Marco Böhme äußert sich wie folgt zum Thema:

Durstexpress kauft Flaschenpost – haben wieder einmal ostdeutsche Beschäftigte das Nachsehen?

Der Bielefelder Oetker-Konzern hat den Getränkelieferdienst Flaschenpost gekauft und fusioniert ihn mit seinem Online-Getränkelieferdienst „Durstexpress“ zu einer neuen Marke unter dem Namen „Flaschenpost“. Das Unternehmen Flaschenpost beschäftigte zuletzt bundesweit etwa 7.000 Menschen in 23 Städten, Durstexpress war in zehn Städten vertreten. Während die Flaschenpost-Beschäftigten offenbar an anderen Standorten wie Berlin übernommen werden, sollen im Zuge der Fusion offenbar mehr als 500 bisherige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Durstexpress in Leipzig entlassen werden. Sie sollen sich neu bewerben und wollen nun einen Betriebsrat gründen.

Der Leipziger Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion Marco Böhme steht mit ihnen in Kontakt und erklärt: „Wir sehen hier ein unerträgliches Geschäftsmodell ähnlich dem von Flixbus, Lieferando oder Foodora: Konkurrenten aufkaufen, Preise erhöhen und Beschäftigte ausbeuten. Bei Durstexpress in Leipzig waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade dabei, einen Tarifvertrag zu erstreiten. Nun werden sie nicht einmal übernommen. Absurd ist: Nach den mir vorliegenden Informationen betrifft das nur den Standort Leipzig.

Ich fordere Wirtschaftsminister Martin Dulig auf, für Aufklärung zu sorgen und sich für die Beschäftigten am Standort Leipzig einzusetzen. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten. Ein solches Geschäftsgebaren schreit generell nach politischer Regulierung. Wenn Waren des täglichen Bedarfs auf online-Bestellung geliefert werden und letztlich trotzdem billiger sind als im Einzelhandel vor Ort, schadet das nicht nur kleinen regionalen Unternehmen. Die zusätzlichen Lieferfahrten belasten unsere Innenstädte und das Klima in unnötiger Weise.“

 

Auch der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann erklärt sich solidarisch:

Keine Fusion auf Kosten der Beschäftigten – für ein solidarisches Wirtschaftssystem

Der Bielefelder Oetker-Konzern fusioniert den Online-Getränkelieferdienst "Flaschenpost" mit dem „Durstexpress“. Während die Flaschenpost-Beschäftigten offenbar übernommen werden, sollen im Zuge der Fusion über 500 bisher Beschäftigte von Durstexpress Leipzig entlassen werden.

Dazu erklärt der Leipziger Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Leipziger Stadtrat Sören Pellmann: „Während in der Zentrale des Dr. Oetker-Konzerns die Sektkorken knallen und die Konzernführung mit einer weiter wachsenden Rendite rechnet, rechnen die Beschäftigten damit gekündigt zu werden und sich in Coronazeiten auf der Straße wieder zu finden. Mal wieder steht die Gewinnmaximierung vor dem Wohl der Menschen, welche auf ihre Jobs angewiesen sind. Anstatt endlich die Gründung von Betriebsräten zu begrüßen, befristete Arbeitsverträge in ordentliche Stellen umzuwandeln oder Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu zahlen, werden die, die den Erfolg erwirtschaften, bestraft.

Aufgrund des Lockdowns erleben die Lieferdienste einen Nachfrage- und damit Gewinnanstieg. Davon kommt bei den Beschäftigten – außer einem krummen Rücken – nichts an. Dies muss sich ändern. Wir brauchen ein solidarisches Wirtschaftssystem, welches den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

DIE LINKE und ich haben diese Unternehmen schon länger auf dem Schirm. Insbesondere kritisieren wir, dass es weder einen Betriebsrat noch gewerkschaftliche Zugänge gab. Immerhin wollten die Beschäftigten sich jetzt entsprechend formieren. Ob die Betriebsverschmelzung damit zu tun hat, kann nur vermutet werden. Wir als LINKE sind solidarisch mit den Beschäftigen und werden uns in den kommenden Wochen entsprechend einbringen. Ihr Einsatz für den Erhalt und die Verbesserung ihrer Stellen werden wir unterstützen, wo uns möglich ist.“