Ein Tag Stillstand gegen jahrelangen Rückschritt – Solidarität mit den Beschäftigten am bundesweiten „Streiktag Bildung”
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ruft für den heutigen Donnerstag zum bundesweiten „Streiktag Bildung“ auf. Wir möchten uns an dieser Stelle an die Eltern wenden und um ihre Solidarität mit den streikenden Lehrkräften sowie um aktive Unterstützung bitten – für verlässliche Schulen, gute Arbeitsbedingungen und eine hochwertige Bildung, von der unsere Kinder profitieren.
Liebe Eltern,
unsere Schulen stehen an einem Punkt, an dem Wegsehen keine Option mehr ist. Seit Jahren wird das sächsische Bildungssystem kaputtgespart, und die Folgen sind unübersehbar. Der Bildungsnotstand ist keine düstere Prognose mehr, sondern längst Realität an den Schulen.
Chronischer Lehrkräftemangel und Unterrichtsausfall bestimmen den Schulalltag, während politische Maßnahmen halbherzig bleiben oder die Lage sogar verschärfen. Statt überfälliger Investitionen regieren Einsparungen: Förder- und Inklusionsstunden werden gestrichen, Ganztagsangebote eingeschränkt, Schulbudgets gekürzt und Schulsozialarbeit abgebaut. Kurz gesagt: Wichtige Maßnahmen, die Kinder in ihrer Entwicklung stärken, werden geopfert. Gespart wird nicht im System, sondern an den kommenden Generationen.
Lehrkräfte arbeiten längst über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Viele hetzen von Stunde zu Stunde und improvisieren, statt zu gestalten. Fast jede zweite Lehrkraft leistet regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit. Ein erheblicher Teil überschreitet dauerhaft eine gesundheitlich kritische Wochenarbeitszeit. Das Ergebnis ist ein ausgezehrtes System: Erschöpfung, hohe Krankenstände und Frustration statt Qualitätsarbeit.
Die Leidtragenden sind Ihre Kinder. Fehlen qualifizierte Lehrkräfte, fällt Unterricht aus. Fehlt den Schulen Geld, werden Lernmaterialien nicht angeschafft und Unterstützungsangebote gestrichen. Fehlt Schulsozialarbeit, fehlt vielen Kindern eine hoffnungsspendende Ansprechperson vor Ort. So wird Förderung zum Glücksfall, Lernlücken werden zum Dauerproblem und die Freude am Lernen geht verloren. Seit langem beobachten wir, wie psychische und körperliche Belastungen bei jungen Menschen zunehmen. Bildungsbiografien geraten ins Wanken, ehe sie begonnen haben. Das ist kein Versagen der Schule - das ist politisch gemacht.
Wir wollen das nicht hinnehmen. Deshalb sind Warnstreiks und Tarifverhandlungen nötig. Wir wissen, dass Streiks Familien belasten. Sorgen um Betreuung und mögliche Lernrückstände sind nachvollziehbar. Doch diese Aktionen richten sich nicht gegen Sie oder Ihre Kinder. Sie sind das letzte Mittel, um auf jahrelang ungelöste Missstände aufmerksam zu machen. Formal betreffen sie Tarife, doch vielmehr geht es um die Grundsatzfrage: Was sind uns unsere Kinder wert?
Unsere Antwort ist klar: Wir wollen ein nachhaltiges Bildungssystem, das Kinder in ihrer Entwicklung stärkt und Lehrkräfte gesund hält. Ein System, das Visionen für die Zukunft entwirft und nicht nur seinen Niedergang verwaltet. Deshalb brauchen wir Ihre Solidarität. Machen Sie Missstände sichtbar. Beschweren Sie sich über Unterrichtsausfall und Kürzungen. Wenden Sie sich an die politisch Verantwortlichen. Machen Sie klar: Diese Zustände sind nicht akzeptabel! Bleiben Sie unbequem!
Gute Bildung ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht, das zur sozialen Gerechtigkeit beiträgt. Wir sollten dieses Recht daher einfordern. Nur wenn Eltern und Lehrkräfte gemeinsam handeln, entsteht der nötige Druck für echte Veränderungen. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass hochwertige Bildung in Sachsen endlich wieder zählt!
Mit solidarischen Grüßen
Die Linke Leipzig
Hier zum Download des Elternbriefes.
