Equal Pay: Wir brauchen mehr als symbolische Hoffnungsschimmer

Die Linke Leipzig, Ariane Barth

Jährlich zum Equal Pay Day wird sichtbar, bis zu welchem Tag Frauen und TINA*-Personen theoretisch unbezahlt arbeiten, während Männer bereits seit dem 1. Januar voll entlohnt werden. Dieser Tag steht symbolisch für die anhaltende geschlechterspezifische Lohnlücke – und für strukturelle Ungleichheit.

Die Entwicklungen und Auswirkungen dieser Lohnlücke über den gesamten Lebensverlauf hinweg haben weitreichende Konsequenzen: von der Prägung durch Rollenbilder in Kindheit und Jugend über Berufswahl und Familiengründung bis hin zu Rente und Altersarmut. Es zeigt sich deutlich: Die Lohnlücke ist eine Gerechtigkeitslücke. Sie betrifft Frauen und queere Personen gleichermaßen.

Arbeit, die mehrheitlich von FLINTA*-Personen geleistet wird, wird systematisch monetär abgewertet – und das branchenübergreifend. Besonders spürbar ist dies in Pflege-, Sorge- und Dienstleistungsberufen, die unsere soziale Infrastruktur sichern und in denen überdurchschnittlich viele FLINTA*s tätig sind.

Seit Jahren besteht ein deutliches Lohngefälle zwischen den Geschlechtern. Der Kampf für gleiche Bezahlung – unabhängig von geschlechtlicher Identität oder Herkunft – ist deshalb noch lange nicht beendet. Zwar ist in den vergangenen Jahren eine leichte Annäherung erkennbar, doch sie verläuft im Schneckentempo. Das zeigt: Die Mühlen des Parlamentarismus mahlen mühsam, und bisherige politische Maßnahmen entfalten nicht die notwendige Wirkung.

Ein Beispiel hierfür ist das bestehende Entgelttransparenzgesetz. Es muss zu einem echten Entgeltgleichheitsgesetz weiterentwickelt werden. Ziel muss es sein, gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit verbindlich durchzusetzen. Unternehmen müssen verpflichtet werden, bestehende Ungerechtigkeiten in der Bewertung von Arbeit schrittweise und branchenübergreifend abzubauen. Arbeit mit Menschen darf nicht schlechter bewertet werden als Arbeit mit Maschinen oder Geld.

Gleichzeitig verschärfen Angriffe auf grundlegende Errungenschaften der Arbeiter*innenbewegung – wie den 8-Stunden-Tag – oder polemische Abwertungen von Teilzeitregelungen aus der Spitzenpolitik die Situation weiter. Sie gehen an der Lebensrealität vieler Frauen und queerer Personen vorbei.

Die Mehrheit der FLINTA*s im Bundesgebiet arbeitet zu Niedriglöhnen. Deshalb fordern wir eine sofortige Erhöhung des Mindestlohns auf mindestens 15 Euro, um ein armutsfestes Einkommen zu gewährleisten. Wir fordern nicht nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sondern gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Frauen und queere Personen wählen nicht die „falschen“ Berufe – vielmehr werden Tätigkeiten schlechter entlohnt, wenn sie mehrheitlich von ihnen ausgeübt werden.

Hinzu kommt die strukturelle Teilzeitfalle: Millionen Frauen und queere Personen können ihre Arbeitszeit nicht ausweiten, solange Kita- und Krippen- oder auch Pflegeplätze fehlen. Gute Löhne und eine funktionierende soziale Infrastruktur gehören untrennbar zusammen.

Hierzu sagt Ariane Barth, Beisitzerin im Stadtvorstand von Die Linke Leipzig: „Es sind gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen, die Lohngleichheit immer wieder erschweren. Es braucht mehr als symbolische Markierungen und Konsenslösungen aus Parlamenten, die mehrheitlich von cis-männlichen Politikern besetzt sind.

Gerade in Leipzig zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Laut jüngstem Sozialreport ist die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern im Zeitraum von 2019 bis 2024 um 30 Prozent gewachsen. Gleichzeitig steigen die Einkommen langsamer als die Preise. Viele Menschen erleben spürbare Kaufkraftverluste – und im Zusammenspiel mit der Lohnlücke wird deutlich, unter welchem Druck insbesondere weibliche und queere Menschen in unserer Stadt stehen.

Die Linke ist eine feministische Partei und wir kämpfen für Gleichstellung und Selbstbestimmung aller Menschen. Frauen, Mädchen und queere Personen – darunter lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen – stehen gemeinsam im Einsatz gegen Ausbeutung, Abwertung und Gewalt. Unser Feminismus ist grenzenlos, intersektional und transinklusiv. Wir müssen den Kampf für Lohn- und Geschlechtergerechtigkeit täglich gemeinsam und geeint organisieren, damit die Arbeit von Frauen und queeren Personen endlich die Anerkennung und Bezahlung erhält, die sie verdient. Ich glaube, ein gutes Leben für alle ist möglich – wenn wir es gemeinsam einfordern!“