Nachbarschaftstreffen Grünau am 1. Juli
Am 1. Juli fand ein von der Partei Die Linke organisiertes Nachbarschaftstreffen im OFT Völkerfreundschaft in Grünau statt. Das Thema: Wuchermieten und was man dagegen tun kann.
Zuvor waren über mehrere Wochen hinweg immer wieder Teams der Linken an die Haustüren gegangen und hatten mit den Menschen über ihre Situation gesprochen und sie zum Treffen eingeladen. Mithilfe der Mietwucher App konnte auch vor Ort geprüft werden, ob die eigene Miete überhöht ist.
Die zehn Anwohner*innen aus Grünau, die zum Nachbarschaftstreffen gekommen sind, wohnen größtenteils in der Ringstraße. Sie erzählen von Sorgen um die Zukunft und Problemen mit dem Vermieter. Der ist in diesem Fall Grand City Property, ein Konzern mit bundesweit um die 60.000 Wohnungen, davon etwa 14.000 in Leipzig.
„Manche Mieterinnen und Mieter erzählten von jahrelangen Versuchen, gegen Grand City Property wegen stetiger Mieterhöhungen vorzugehen, fühlten sich als Einzelperson jedoch immer am kürzeren Hebel”, sagt Jonathan Münzel, Mitglied der Partei Die Linke. Eine Mieterin meint zu ihrer Erfahrung: „Wenn ich zu der Erhöhung sage, das ist zu teuer, das kann ich nicht bezahlen, dann sagen die ‚Ja, dann ziehen Sie doch aus’. Da kann ich nichts machen.”
Zudem macht der Grünauer Bevölkerung mangelnde Barrierefreiheit beim Wohnen und im öffentlichen Raum zu schaffen. „Ein Mieter erzählte uns, er müsse manchmal aufgrund von schmerzenden Beinen tagelang in seiner Wohnung bleiben, alle Termine absagen - einen Fahrstuhl gibt es nicht”, sagt Jonathan. „Schaut man die Finanzberichte von Grand City Property an, fällt vor allem auf, dass nur ein verschwindend geringer Anteil der Mieteinnahmen in den bestehenden Wohnraum investiert wird.” Stattdessen kauft der Konzern Luxusimmobilien am Berliner Ku'damm oder in der City of London auf.
Das Nachbarschaftstreffen war geprägt von Fragen: Was ist Mietwucher? Ab wann ist das strafbar? Wie kann man diese Vorfälle beim Sozialamt der Stadt Leipzig melden? Darauf gibt es klare Antworten. Doch was dann mit den Meldungen passiert, stimmt alle unzufrieden: Nur eine Person ist aktuell bei der Stadt dafür zuständig, diese Fälle zu bearbeiten - zuzüglich einer Sachgebietsleiterin als Vorgesetzte. Alle warten sehr lange auf eine Rückmeldung, teilweise Monate oder auch Jahre. Das alles ist Zeit, in der sie zu viel Miete zahlen, und Geld, was ihnen am Ende fehlt. „Steigt der Mietspiegel weiter, ist das für uns alle ein Problem”, sagt ein Mieter. „Egal, ob ich selbst von Mietwucher betroffen bin oder nicht, dann wird alles immer teurer.”
In Kleingruppen wurden dann Ideen gesammelt: Wie können wir es gemeinsam schaffen, dass mehr Personal eingesetzt wird, um auch wirklich alle Fälle von Mietwucher zu bearbeiten? Dafür gibt es aktuell eine Möglichkeit: Einen Bürgereinwand zum Haushaltsentwurf der Stadt Leipzig, in dem 30 zusätzliche Stellen gefordert werden. Alle Menschen in Leipzig können sich diesem Einwand mit ihrer Unterschrift anschließen.
Die Anwesenden verabredeten sich also für Unterschriften-Sammel-Aktionen. In den nächsten Wochen wollen sie in Grünau losziehen und weitere Leipziger überzeugen, sich der Forderung anzuschließen. Jonathan ist zufrieden: „Bei unserer Nachbarschaftsversammlung haben wir Mieterinnen und Mieter zusammengebracht, um uns gemeinsam zu wehren. Viele wurden aktiviert, selbst Unterschriften für die Bürgereinwände zu sammeln und damit die Umstände nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sie aktiv mitzugestalten. Das freut uns natürlich sehr. Wenn sich viele Menschen zusammentun, entsteht Veränderung - so kämpfen wir gemeinsam für ein bezahlbares Zuhause für alle!”
Zwar sind die Mietpreise in Grünau im stadtweiten Vergleich noch eher günstig, jedoch können sie gemäß Grünauer Intervallstudie nur noch von 50 Prozent der Bewohnenden problemlos bezahlt werden. Jonathan sagt dazu: „Einige Menschen, mit denen wir gesprochen hatten, würden eigentlich lieber zentrumsnah wohnen, haben aber nichts Bezahlbares finden können. Besonders Familien berichten von großen Schwierigkeiten, eine geeignete Wohnung zu finden.”
Bei Nudelsalat und Limo ließ die gemischte Gruppe den Abend ausklingen. Man hört, wie viel den Menschen an ihrer Heimat, an ihrem Zuhause, an Grünau liegt, wie gerne sie hier sind und wie gerne sie weiterhin hier bleiben wollen.

