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junge Welt

»Das Unmögliche geschafft«

In Leipzig hat Die Linke erstmals ein Direktmandat in Sachsen geholt. Ein Gespräch aus der jungen Welt mit Adam Bednarsky (Vorsitzender DIE LINKE. Leipzig).

Ihr Parteifreund Sören Pellmann, der im Wahlkreis Leipzig II zur Bundestagswahl angetreten ist, hat am Sonntag das einzige Direktmandat für Ihre Partei in Sachsen ergattert. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Da fließen viele Ursachen zusammen. Mit Sören Pellmann im Süden und Franziska Riekewald im Norden haben wir für unsere beiden Leipziger Bundestagswahlkreise jüngere und stadtweit anerkannte Mitglieder des Stadtrates nominiert, die zugleich mitten im Berufsleben stehen. Als Förderschullehrer in einem sozialen Brennpunkt im Leipziger Norden erlebt Sören jeden Tag, was Bildungs- und Kinderarmut bedeutet. Mit ihm und seinem Team haben wir als Stadtverband gemeinsam über Monate einen sehr dynamischen und höchst offensiven Wahlkampf geführt, der zunächst unter dem Motto »Sachsen: Siehst Du auch schwarz?« stand und in dem Hashtag-Slogan gipfelte »#CDUMandatAbnehmen«. Wir wollten die Kannibalisierung im Mitte- links-Spektrum zumindest bei der Vergabe der Erststimmen im Rahmen unserer Möglichkeiten eindämmen. Der Aufstieg der AfD ist aber auch in Leipzig und unseren – klassischen – Hochburgen wie dem Neubaugebiet Grünau angekommen.

Bundesweit hat Die Linke rund 400.000 Stimmen an die AfD verloren. Letztere ist in Sachsen gar als stärkste Partei aus der Bundestagswahl hervorgegangen. Was hat Die Linke falsch gemacht?

Eine zentrale Ursache des Aufstiegs der AfD ist ganz klar die herrschende Politik in unserem Land, die sozial höchst ungerecht ist, den gesellschaftlichen Reichtum immer ungleicher verteilt und Ressentiments zwischen einzelnen Bevölkerungsteilen schürt. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht mehr die erste Adresse für politischen Protest sind. Dabei gibt es auch weiterhin gute Gründe, gegen die etablierte Politik in diesem Land zu protestieren. Wir werden beispielsweise durch unsere Regierungsbeteiligungen als Teil des etablierten Politikbetriebes wahrgenommen, was unsere Glaubwürdigkeit als klare soziale Oppositionskraft unterminiert.

Welche Konsequenzen wollen Sie daraus ziehen?

Um auch wieder im Osten des Landes in die Offensive zu kommen, dürfen wir uns nicht nur auf die Zentren und die jungen Menschen im sogenannten urbanen Milieu verlassen. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, dieses jungurbane Milieu ist wichtig, aber ich werte es eben auch als ein Alarmsignal, dass sich der Anteil unserer Wählerinnen und Wähler bei den Erwerbslosen gegenüber 2013 offenbar nahezu halbiert hat. In Leipzig konnten wir dieses jung-urbane Milieu mobilisieren und die Verluste im »klassischen« Milieu im Rahmen halten.

Aber noch mal: Vor allem im Osten der Republik hat Die Linke schwere Niederlagen einstecken müssen. Muss es hier nicht zu einem radikalen Umdenken Ihrer Partei kommen?

In der Tat: Die Schwierigkeiten unserer Partei – auch das haben die Wahlen deutlich gemacht – bestehen vornehmlich in Ostdeutschland. Hier haben wir Defizite, unter anderem durch eine unzureichende Vertretung der ostdeutschen Interessen und der Sicht auf die deutsche Geschichte, wie sie viele Menschen in Ostdeutschland haben. Dazu kommt: 27 Jahre nach der Wende gibt es nicht nur bei Löhnen und Renten immer noch gravierende Schlechterstellungen gegenüber dem Westen. Ganzen Landstrichen droht die Altersarmut, und es grassiert das Gefühl des Abgehängtseins. Das alles führt zu einer explosiven Gemengelage, derer sich rechte Kräfte bedienen.

Aber wie wollen Sie – ganz konkret – das verlorene Vertrauen vieler Wähler in Die Linke zurückgewinnen?

Wir haben uns in den letzten Wochen zu 150 Prozent in den Wahlkampf gestürzt und können aus der Leipziger Perspektive verkünden: Wir haben das scheinbar Unmögliche geschafft und erstmals in Sachsen einen Bundestagswahlkreis richtig rot eingefärbt. Auch das Bundesergebnis ist aufgrund der Ost-West- Verschiebung durchaus respektabel. Wir müssen das sächsische Ergebnis bewerten, die Stadt-Land-Diskrepanz zur Kenntnis nehmen und Strategien in Richtung einer substantiellen Verbesserung vor dem Hintergrund verringerter Ressourcen entwickeln.

Interview: Markus Bernhardt


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