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Aus für den urbanen Garten Annalinde am seinem Standort in Lindenau?

Seit einigen Jahren bewirtschaftet die Initiative für Zeitgenössische Stadtentwicklung, jetzt ANNALINDE gGmbH i. G., das Grundstück Zschochersche Straße 12 als Offenen Garten. Nun naht der Verkauf des städtischen Grundstückes und damit das Aus des Projektes an seinem Standort. 

Ursprünglich war die Nutzung als Zwischenlösung geplant, dafür wurden 2011 und 2012 jeweils auf ein Jahr befristete Pachtverträge abgeschlossen. Inzwischen hat sich das Projekt am Standort etabliert und fungiert als grüne Oase inmitten von Bebauungen. Im Garten finden umfangreiche Projekte mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen statt. Generationsübergreifend kann hier gelernt werden, wie man lokal Lebensmittel herstellt und einen Ort urbanen Lebens schafft. Eine Insel inmitten des aufstrebenden und “hippen” Viertels.
Bereits im Sommer deutete sich an, dass das Grundstück, auf dem sich der Offene Garten sich befindet, veräußert werden soll. Das Grundstück besteht aus zwei Flurstücken, auf denen auch der Alte Felsenkeller, bis 2011 genutzt als  Kultureinrichtung “Victor Jara”, steht.
Im Spätsommer folgte die Entwarnung für Annalinde,  indem das Grünflächenamt eine Verlängerung des Pachtvertrages in Aussicht stellte.  Doch aktuell dreht sich der Wind. Die Flächen sollen veräußert werden, um Teile davon für Wohnbebauung zu nutzen.

In Antwort auf eine Anfrage warf der Linksfrakton in der Stadtratssitzung am 22.1.14 bestätigte die Stadtverwaltung, dass der urbane Garten an seinem jetzigen Standort vor dem Aus steht. Angeblich soll eine Alternativfläche auf dem Areal des Plagwitzer Bahnhofs zur Verfügung gestellt werden.
Wie es zu so widersprüchlichen Aussagen zwischen Liegenschafts- und Grünflächenamt kommen konnte, und wie es um die jüngst artikulierte Vorstellung eines weiteren Amtes steht, für das ehemalige Victor Jara eine kulturelle Nutzung zu präferieren, wird nun versucht mit Nachfragen zu klären, die in der Ratsversammlung am 12.2.2014 beantwortet werden.
Doch es geht tatsächlich um mehr: um die Frage des Erhalts von Freiräumen und um den Vorrang gemeinnütziger Nutzungen vor kommerziellen. Auch der neue Felsenkeller an der Ecke Zschochersche Straße/ Karl-Heine-Straße steht vor einer Umnutzung als Verkaufseinrichtung anstelle einer Nutzung für Kultur- und andere Veranstaltungen.  Dagegen richtete sich im vergangenen Jahr bereits Protest.

 

>>> Antwort auf die Anfrage Nr. V/F 1043 Zukunft des urbanen Gartens Annalinde am Standort Zschochersche Straße

1.) Ist ein Verkauf des Grundstücks Zschochersche Straße 12 durch das Liegenschaftsamt geplant? Wenn ja, warum wurde im September die Möglichkeit eines 3-jährigen Nutzungsvertrags zugesagt?

Das Grundstück Zschochersche Straße 12 besteht aus den Flurstücken 168/1 und 168/2 der Gemarkung Plagwitz. Die Flurstücke sind mit der städtischen Bibliothek und mit dem Gewölbekeller bebaut. Während die städtische Bibliothek aktiv genutzt wird, steht der Gewölbekeller einschließlich der zugehörigen Hochbauten seit über zwei Jahren leer. Um diese Bausubstanz zu erhalten ist es zwingend erforderlich, dass in das Objekt investiert wird. Das Liegenschaftsamt beabsichtigt noch in diesem Jahr das Objekt zur Veräußerung auszuschreiben.
Zur zwischenzeitlichen Bewirtschaftung und Grundstückspflege wurde vom Liegenschaftsamt 2011 und 2012 je ein auf das jeweilige Jahr befristeter Pachtvertrag mit dem Ökolöwe-Umweltbund Leipzig e.V. und einem dieser besonderen Gegebenheit entsprechenden Pachtzins geschlossen. Ende 2012 wurde ein dritter Pachtvertrag, nun unbefristet, jedoch mit Kündigungsklausel bei Veräußerung, abgeschlossen. Das Vertragsverhältnis besteht bis heute fort.
Der Abschluss eines 3-jährigen Nutzungsvertrages wurde vom Ökolöwe-Umweltbund Leipzig e.V. angefragt, aber vom zuständigen Liegenschaftsamt nie zugesagt.

2.) Welche Nutzung präferiert das Liegenschaftsamt für das Grundstück?

Zunächst soll das Kellergewölbe mit den für eine zukünftige Nutzung erforderlichen Außenflächen veräußert werden. Das Liegenschaftsamt sieht neben den Vorgaben für eine Baugenehmigung keine Nutzungseinschränkung vor.
Über die Hoffläche und die Bibliothek finden aktuell Abstimmungen statt, da zukünftig die Fahrbibliothek am Standort untergebracht werden soll.
Die verbleibende unbebaute Fläche des Grundstücks soll in naher Zukunft veräußert werden. Dabei wird die Wohnungsbebauung präferiert.

3.) Welche Perspektiven sieht die Stadtverwaltung für einen Erhalt des Offenen Gartens Anna Linde am Standort Zschochersche Straße?

Das Liegenschaftsamt sieht die Veräußerung des Kellergewölbes einschließlich der für die zukünftige Nutzung erforderlichen Außenflächen als dringend und wichtig an. Bis zur Veräußerung kann der bestehende Nutzungsvertrag mit dem Ökolöwe-Umweltbund Leipzig e. V. am Standort fortgeführt werden.
Damit bietet die Stadt Leipzig einen Kompromiss bis zur beabsichtigten Bereitstellung der dafür vorgesehenen Gartenfläche im Areal des Plagwitzer Bahnhofs. Diese Maßnahme erfolgt im Zuge des in Aufstellung befindlich B-Planverfahrens 380 „Grüner Bahnhof Plagwitz“.

>>> download Antwort als pdf
>>> Website ANNALINDE

 

>>> Nachfragen zur Antwort zur Anfrage Nr. V/F 1043

zu 1) Das Grünflächenamt sagte den NutzerInnen der Fläche im September 2013 zu, dass eine weitere 3-jährige Nutzung durch Verlängerung des Pachtvertrages möglich wäre. Wie kommt es aus Sicht der Verwaltung zu den widersprüchlichen Aussagen?

zu 2) Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung für die Veräußerung des Flurstückes 168/1 mit der Beauflagung einer kulturellen Nutzung und der Vergabe eines Erbpachtvertrages für das Flurstück 168/2, bei gleichzeitiger Schaffung eines Standortes für die Fahrbibliothek?

Zu welchem Mindestpreis sollen die beiden Flächen veräußert werden?

zu 3) Steht die benannte Alternativfläche auf dem Areal Plagwitzer Bahnhof verbindlich zur Verfügung, wenn ja, ab wann?

 


Ein festliches Wahlkampfwochenende – LINKE Open-Air-Veranstaltungen in Plagwitz/ Lindenau und Connewitz

Am ersten Septemberwochenende fanden zwei Open-Air-Wahlkampfveranstaltungen der Leipziger LINKEN statt. Den Anfang machte am 6.9. das „vorerst einzige und letzte Schlindewitzer Sommerfest“. Bei sommerlichem Wetter präsentierten die Stadtbezirksverbände Alt- und Südwest mit dem Netzwerk Schlindewitz und der Linksjugend auf dem Karl-Heine-Platz ein vielfältiges Programm. Der absolute Renner war die eigens aufgestellte Hüpfburg - und auch Kinderschminken, Graffiti, Stencil- und Näh-Workshop, Basteln und Malen sowie das mittlerweile bewährte Dosenwerfen fanden großen Anklang bei den zahlreichen anwesenden Kindern. Für die Älteren gab es Infostände, die Ausstellung „Prekäre_r, auch du bestimmst den Diskurs“, die aus Einsendungen Leipziger KünstlerInnen zu einer Veranstaltung mit Katja Kipping im Februar entstanden ist, und ein Kultur-Politik-Programm. Dieses eröffnete die Verlesung des „Schlindewitz-Manifestes“, ein satirisch zugespitztes Statement zur den Ortsteilen, aus denen sich „Schlindewitz“ zusammensetzt (Schleußig, Lindenau, Plagwitz). Auch die Lesung aus dem Buch „Über Wachen und Schlafen: Das Standardwerk des systemrelevanten Humors“ sorgte für politische Spitzen und Lacher.

Auf die Diskussionsrunde mit den beiden LINKE-DirektkandidatInnen Barbara Höll und Mike Nagler folgte der live-Auftritt der Akustik-Punk-Band „Wonach wir suchen“. Die beiden jungen Straßenmusiker sorgten für ein BesucherInnenhoch und für einige (gesellschafts)kritische Impulse.

Abgerundet wurde das „Schlindewitz“-Fest von Kurzfilmen und der unweit stattfindenden Linksjugend-Wahlparty mit fast 100 Besucher_innen.

Auch in Connewitz schien am darauffolgenden Tag die Sonne auf das bunte Fest des Stadtverbezirksverbandes Süd. Als kleinen Höhepunkt gab es hier die Ausstellung „Strafraum Sachsen“ Sachsen“ der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball zu sehen, die sich mit Diskriminierung im Fußball auseinandersetzt. Mit roter Faßbrause, selbst gebackenem Kuchen, Popcorn und veganen Burgern konnten sich die BesucherInnen gestärkt über die politischen Angebote der LINKEN informieren und mit dem Direktkandidaten Mike Nagler ins Gespräch kommen. Bei der anschließenden Party im linXXnet wurde bis in die Morgenstunden gefeiert.

Beide Veranstaltungen stell(t)en den Versuch dar in „jüngeren“ Stadtbezirken alternative Formen der Politik-Präsentation zu erproben; nämlich die eigenen politischen Inhalte mit kulturellen Angeboten zu verkoppeln und ein besonderes Augenmerk auch auf die ästhetische Rahmung zu legen. Mit Themensetzungen wie Wohnen/ Mieten, Familienpolitik und prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen wurden im Gespräch mit den Bundestagskandidat_innen Themen aufgegriffen, die gesellschaftlich hoch im Kurs stehen und auch von den im Leipziger Süden, in Alt- und Südwest stark vertretenen „grün/ alternativen“ Milieus diskutiert werden.

Das Fest-Wochenende verdient Wiederholung und war ein kleiner Beitrag zur Erschließung dieser Zielgruppen. Ein großer Dank geht an die zahlreichen HelferInnen und Mitwirkenden. 

Bildergalerie von Gerd Eiltzer - herzlichen Dank dafür! 


Bildergalerie vom Schlindewitzer Sommerfest

Ergänzungstafel für den Antifaschisten Karl Enders eingeweiht

An der Straßenecke Endersstraße/Merseburger Str. wurde am 29.7.2013 eine Erläuterungstafel zum Straßenschild eingeweiht, die vom Stadtbezirksverband Altwest der Leipziger LINKEN initiiert und von Dr. Volker Külow (MdL) finanziert wurde. Es trägt die Inschrift "Karl Adolph Enders, 1892 bis 1938, beteiligt am Widerstand gegen den Nationalsozialismus".

Doch wer war Karl Enders?

Karl Adolph Ludwig Enders wurde am 10.2.1892 in Leipzig-Kleinzschocher, als Sohn einer kinderreichen Familie geboren. Nachdem er 8 Jahre die Volksschule besucht hatte, arbeitete er gleich als Hilfsarbeiter, weil er seine Mutter finanziell unterstützen musste. Die Familie war nicht in der Lage, Karl einen Beruf lernen zu lassen, obwohl er das gern getan hätte. Am Streik in der Firma Stoll und Elscher, 1911 bis 1912 nahm er, im Unterschied zu seinem Bruder, teil. Als 19-jähriger trat er dem "Arbeiter-Turn- und Sportbund" (ATSB) bei und widmete sich dem Arbeitersport. Von 1914 bis1918 musste er sich aktiv am Kriegsgeschehen des Ersten Weltkrieges beteiligen, hatte oft Differenzen mit seinen Vorgesetzten und kam als Kriegsbeschädigter zurück.

Bei ihrer Gründung trat er in die KPD ein. Trotz seines Lungenleidens beteiligte er sich an den Kämpfen zur Abwehr des Kapp-Putschs. 1923 wurde er in den Wotan-Werken, wo er sich nach dem Krieg als Dreher eingearbeitet hatte, zusammen mit dem Erich Köhn sen. gemaßregelt. Dann fand er Arbeit bei der Firma Wommer und wurde zusammen mit Karl Heft in den Betriebsrat gewählt.

Beim großen Metallarbeiterstreik 1924 war er in der Streikleitung. 1930 trat er in die "Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit" ein.

Als Anfang 1933 alle kommunistischen Organisationen verboten wurden, arbeitete er mit anderen Genossen, z.B. Karl Heft, in seiner Wohnung, Großmannstraße 1, weiter. Es wurden dort Flugblätter für Rot-Sport, die KPD und die Rote Hilfe abgezogen und vertrieben. In diesen Monaten war Karl Enders Literaturobmann der Bezirksleitung Leipzig. Am 30.4. wurde er, nach einem Meineid des Nazi-Hilfspolizisten Mittbauer, vor dem Schnellgericht zu 8 Monaten Gefängnis

verurteilt. Kaum wieder zu Hause setzte er die politische Arbeit fort. Karl half gemeinsam mit seiner Ehefrau Genossen zur Flucht ins Ausland. So der Familie Sickert nach Prag. Er versteckte illegal lebende und arbeitende Genossen in seiner Wohnung, z.B. Fritz Tetzner aus Leutzsch, der in Oberwürschnitz aus dem Lager geflohen war. Und er übernahm die Funktion als politischer Leiter der KPD im Stadtteil. 1934 baute der gemeinsam mit dem Instrukteur der KPD-Zentrale, Fiete Dettmann die illegale Bezirksleitung der KPD in Leipzig wieder auf. In seiner Wohnung und im Gartenverein "Erholung" in Leutzsch fanden zahlreiche Treffen statt.

Am 17.1. 1935 wurde Karl Enders mit weiteren 14 Genossen verhaftet. Der Gestapo war es gelungen einen Spitzel in die Organisation einzuschleusen. Daher wurde zwei Tage später auch Fiete Dettmann verhaftet. Beide wurden unter Bewachung an Treffpunkten und in Arbeitsämtern herumgeführt, um weitere Verhaftungen vornehmen zu können. Dieses Vorhaben war jedoch nicht erfolgreich.

Der Prozess gegen Karl Enders und Genossen dauerte vom 20. bis 25. April 1936.

Karl Heft erhielt 9 Jahre Zuchthaus, Karl Enders 8 Jahre und ebenso langen Ehrenrechtsverlust, wegen "Vorbereitung zum Hochverrat". Beide wurden ins Zuchthaus Waldheim überführt. Nach 2 Jahren Haft warf ein schweres Leberleiden Karl aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstehen konnte. Er starb am 29. Juli 1938.

Nach ihm wurde 1947 die Endersstraße in Lindenau benannt. Auch der Sportpark der SpVg 1899 Leipzig an der Demmeringstraße in Neulindenau trägt seinen Namen. Nun erinnert auch die Erläuterungstafel an ihn. Eingeweiht an seinem 75. Todestag, am 29.7.2013.

Thomas-Friedrich Naumann, stellv. Vorsitzender DIE LINKE Altwest 

Für ein Kinderlachen ...

8. LINKES Kinderfest in Altwest

Am 13.7.2013 war es soweit. Das 8. Kinderfest der Leipziger LINKEN fand bei sonnigem Wetter im Park am Wasserschloss in Leutzsch statt.

Zahlreiche Angebote warteten auch in diesem Jahr auf die Familien und insbesondere Kinder, die zahlreich in den Park kamen. Das Spielmobil des Jugendkulturzentrum KAOS in Lindenau begeisterte mit allerlei Spielgeräten. Neben Kinderschminken, Clown August, Tombola und Büchsenwerfen gab es in diesem Jahr viele Höhepunkte für die insgesamt rund 250 BesucherInnen: der Bastelstand mit dem Verein Tüpfelhausen, Kunstwerke aus Metall zum Selbstmachen mit dem Metall-Bildhauer Ronald Steckel und Torwandschießen mit Vertretern des Leutzscher Fußballvereins BSG Chemie standen bei den Kindern hoch im Kurs. Durchs Programm führten Onkel Keule und Tante Angie. Für das leibliche Wohl sorgten selbstgebackener Kuchen und Bratwürste, für die die Kinder wie gehabt, nichts bezahlen mussten.

Das Kinderfest findet seit 2006 regelmäßig zum Sommerferienanfang am Wasserschloss in Leutzsch statt. Der Ort ist dabei bewusst gewählt. Im Stadtbezirk Altwest und insbesondere den Ortsteilen Lindenau und Altlindenau ballen sich soziale Problemlagen, hier liegt die Zahl Erwerbsloser und und ALG-2- bzw. Sozialgeld-BezieherInnen über dem städtischen Durchschnitt. Zirka 50 % der unter 15-jährigen in Altlindenau und Lindenau und zwischen 30 und 45 % in Neulindenau und Leutzsch lebten 2010 von Sozialgeld. Armut hat insbesondere für Kinder dramatische Folgen. Nicht selten folgen daraus auch Bildungsarmut und gesundheitliche Probleme, für viele ist eine prekäre „Karriere“ unausweichlich.

Mit einem Kinderfest können diese tief greifenden Problemlagen selbstverständlich nicht behoben werden, doch sind ein paar unbeschwerte Stunden mit Angeboten, die für viele Familien sonst nicht offen stehen, trotzdem nicht zu unterschätzen.

An einem themenspezifischen Infostand konnten sich Eltern und Interessierte über die politische Vorschläge der LINKEN zu Kindergrundsicherung, Lernmittelfreiheit, Bildungsgerechtigkeit und Kindertagesstätten schlau machen.
Die Leipziger Bundestagskandidatin der LINKEN, Dr. Barbara Höll stellte in einem live-Gespräch zudem heraus welche Konzepte die LINKE gegen Kinderarmut hat. Demnach müssen alle Kinder Zugang zu Kitaplätzen, Klassenfahrten, Freizeiteinrichtungen, kostenlosem und gesundem Mittagessen etc. haben. Statt dem Bürokratiemonster Bildungs- und Teilhabepaket, das bei weitem nicht alle Bedürftigen erreicht, fordert DIE LINKE die Einführung einer Kindergrundsicherung, um entwürdigende Bedürftigkeitsprüfungen zu vermeiden und Kindern eine garantierte soziale Basis zu geben. Die Kindergrundsicherung, die bei 420 Euro liegen soll, darf natürlich nicht ans ALG-2 der Eltern angerechnet werden. Außerdem ist dieses Modell nicht ohne die Verbesserung der Lebensbedingungen der Erwachsenen etwa durch die Einführung einer sanktionsfreien Mindestsicherung und eines flächendeckenden Mindestlohnes in Höhe von mindestens 10 Euro zu denken.

Gegen 18 Uhr wurden die Zelte an diesem Samstagabend abgebrochen. Bis zum nächsten Kinderfest im Jahr 2014 wird DIE LINKE Altwest selbstverständlich weitere Initiativen und Aktionen für soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe starten.

Ein Dank geht an all die HelferInnen und SpenderInnen, die das Kinderfest ermöglicht haben!

Bildergalerie unter dem Text. Alle Fotos wurden von Gerd Eiltzer gemacht. Danke dafür!


Bildergalerie vom 8. Kinderfest

POPCORN & BETTELSUPPE

Modell zur Ansprache moderner Milieus und Zielgruppen

Der Befund, dass sich die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander bewegt, dass immer weniger Menschen am wachsenden Wohlstand partizipieren können, ist eine Hauptherausforderung für unsere Partei. Wir streben eine Gesellschaft an, an der alle gleichberechtigt teilhaben können.

Doch diese Zielstellung muss sich mit einer veränderten Gesellschaftsstruktur auseinandersetzen. Das klassische Erwerbsarbeitsverhältnis ist ein Auslaufmodell, immer mehr Menschen sind, obwohl sie einer Erwerbsarbeit nachgehen, arm. Zahlreiche Menschen wiederum sind erwerbslos, aber vollends ausgefüllt mit ehrenamtlicher Arbeit in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen.

Gerade in der Sphäre von Wissens- und Kreativarbeit* haben wir es mit einem wachsenden Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse und befristeter Projekte oder aber, wie in der sozialen Arbeit, mit ebenfalls prekären Formen der (Schein-)Selbstständigkeit, Honorartätigkeiten und befristeten Lehraufträgen zu tun. Gleichzeitig sind in diesen Bereichen die Identifikation mit dem eigenen Tun und Flexibilitätsanforderungen immens hoch, so dass der Übergang zwischen Freizeit und Arbeit fließend wird. Dies führt unterm Strich zu permanenter Verfügbarkeit für den Arbeitsprozess, zu Überlastung und Ausgebrannt-Sein.

Die Zahl von so genannten Freelancern**, zu denen vor allem selbstständige WissensarbeiterInnen gehören, ist von 1998 bis 2008 bundesweit um 40 % auf über 4 Millionen geklettert; die Tendenz ist steigend.


In Leipzig bilden die Stadtbezirke Süd- und Alt-West den Knotenpunkt dieser „'neuen' Spezies“, insbesondere die dort gelegenen Ortsteile Plagwitz, Lindenau, Altlindenau und Leutzsch ziehen in jüngster Zeit überdurchschnittlich junge und Neu-LeipzigerInnen an.

Zu jenen Bereichen der Kreativwirtschaft kommt – ebenfalls in Süd- und Altwest – eine wachsende Zahl von zumeist jungen Menschen, die sich in gemeinnützig orientierten Kollektiven zusammentun, Häuser kaufen, instandsetzen und vielfältige soziale, politische, kulturelle und ökologische Aktivitäten entfalten. Ihre Lebensbedingungen ähneln jenen der KreativwirtschaftlerInnen, sind jedoch um einiges prekärer, da ihre gesellschaftliche Tätigkeit und Selbstverwirklichung in der Regel nicht entlohnt wird.

Die Stadt Leipzig ist, wie viele andere Metropolen, auf den Kreativwirtschaftshype angesprungen – schließlich erscheint dieser Bereich als letzter Anker in Zeiten des Niedergangs traditioneller Wirtschaftszweige und sitzt inzwischen bundesweit fest als Bestandteil des Stadt- und Standortmarketings im Sattel. So müht sich die Stadt mehr schlecht als recht, Rahmenbedingungen für die Entfaltung zumindest profitabler Kreativer zu schaffen.

Diese Ansiedlungen ziehen in den benannten Leipziger Vierteln spürbare Alters- und Milieu-Wandlungen nach sich. Daraus wiederum folgt eine kulturelle und auch ökonomische Aufwertung der Quartiere, die berühmt-berüchtigte Gentrifizierung, die Viertel wie Südvorstadt oder Schleußig und z.T. auch Connewitz längst erfasst hat, kommt mit große Schritten und ist auch auf den Straßen unübersehbar.

Als LINKE müssen wir auf diese Entwicklungen, deren Ende längst nicht abzusehen ist, sensibel und bedacht reagieren – doch vor allem müssen wir überhaupt reagieren. Die ausschließliche Konzentration auf angestammte Milieus wie die älterer und generell DDR-sozialisierter Menschen, führt perspektivisch ins Nichts. Zudem sind und bleiben linke Inhalte generations- und milieuübergreifend interessant und die soziale Frage ist für weite Teile der Bevölkerung, auch die der „neuen Milieus", nach wie vor existenziell.Es reicht allerdings nicht, alten Wein in neue Schläuche zu gießen. Wir brauchen eine wohlüberlegte Reaktion auf die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse, insbesondere in den Großstädten.

Dies versucht das Ende 2012 gegründete Netzwerk Schlindewitz in Leipzig. Der Name des offenen, aber dennoch klar bei der LINKEN angesiedelten Kreises bildet dessen Verortung und Aktionsraum ab: die Leipziger Ortsteile Plagwitz, Lindenau und Schleußig. Ortsteile, in denen die Grünen immer mehr aufbauen und auch neue Akteure auf dem parteipolitischen Tableau, wie beispielsweise OBM Kandidat Dirk Feiertag, Resonanz finden. Image und Auftreten der LINKEN stoßen die junge, selbstbestimmungsorientierte, aber durchaus auf Gerechtigkeit ausgerichtete Klientel, wie sie in Süd-/Altwest vorzufinden ist, bisher leider ab. Schlindewitz will dies ändern und mit inhaltlichen Veranstaltungen und Aktionen einen alternativen LINKEN Ansatz erproben. Es geht dabei nicht nur um Auftreten und passende Identifikationsfiguren, es geht vor allem um andere Methoden und Themensetzungen.

Im Februar 2013 gab Schlindewitz mit zwei kurz aufeinander folgenden Veranstaltungen sein Debüt. Im Rahmen eines Kurzfilmabends wurden die Themen Arbeit, Ökologie und Bildung bearbeitet. Leitbild dabei war, lokale Problemlagen mit emanzipatorischen Visionen zu verknüpfen. Mehr als 30 Leute, die nicht zum Kreis der üblichen Verdächtigen gehören, nahmen das Angebot wahr und diskutierten, inspiriert durch thematische Kurzfilme und zugespitzte, performative Inputs unter anderem über das Bedingungslose Grundeinkommen, über Solidarische Ökonomie, die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs, Freiräume für selbstbestimmtes Arbeiten und Leben oder Lernen jenseits der traditionellen staatlichen Rahmenbedingungen. Die drei Themen werden nun in Folgeveranstaltungen aufgegriffen und eingehend diskutiert. Zuerst soll der gebührenfreie und fahrscheinlose Öffentliche Personennahverkehr auf die Agenda gesetzt werden.

Das zweite Schlindewitz-Projekt beschäftigt sich mit Prekarität und Prekarisierung. Für zahlreiche Akteure der benannten Milieus ist dies ein allgegenwärtiges und daher drängendes Problem. Mit einem „call for papers“ rief das Netzwerk Schlindewitz Anfang des Jahres dazu auf, Beiträge – in Wort, Bild oder Ton – einzureichen, in denen sich mit der eigenen unsicheren Situation auseinandergesetzt wird. Darauf meldeten sich sechs AkteurInnen, darunter sowohl KünstlerInnen, HausprojektbewohnerInnen und sozial Engagierte, mit sehr unterschiedlichen Einsendungen. Diese EinreicherInnen und weitere 50 Interessierte diskutierten am Abend des 12. Februar in der Galerie Westpol mit Katja Kipping: über ihre Erfahrungen mit prekärem Arbeiten und Leben, über gemeinsame Interventionsmöglichkeiten, um dies zu ändern und über weitergehende gesellschaftliche Visionen. Ganz bewusst hatten sich die Schlindewitz-Aktiven dafür entschieden, eine Veranstaltung zu organisieren, die einen Austausch auf Augenhöhe ermöglicht und damit dem klassischen Format „prominente PolitikerIn erklärt einer diffusen Zielgruppe wie schlecht alles ist und was die LINKE dagegen tun kann“ entgegen tritt.

Genau dieses Konzept soll in der weiteren Arbeit von Schlindewitz auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Zuhören und Aufnehmen, Hierarchiefreiheit und Offenheit sind essentielle Vorbedingungen für die Arbeit mit den beschriebenen Milieus. Es wird wenig vielversprechend sein, sie mit traditionellen Verkündungskonzepten, mit Parteisitzungsformaten und klassischen Themensetzungen zu erreichen. Sie zu gewinnen, dürfte mit jenen Methoden unmöglich bleiben. Solcherart Neuorientierungen bedarf übrigens die gesamte Partei. Es darf nicht bei Nischen-Modell-Versuchen wie mit Schlindewitz oder Offenen Büros bleiben. Es gilt, lebensweltliche Nähe herzustellen, damit das gemeinsame Leitziel einer sozialen, solidarischen Gesellschaft auch als gemeinsames modelliert und erkämpft werden kann.

Netzwerk Schlindewitz im Frühjahr 2013, http://schlindewitz.de, kontakt@schlindewitz.de


* Wissens- und KreativarbeiterInnen sind Menschen, die in ihrem Beruf kreativ oder künstlerisch mit Texten, Bildern, Software, Plänen, Entwürfen arbeiten bzw. Wissen schaffen, anwenden und weiterentwickeln.

** Freelancer sind Selbstständige, die aufgrund ihres „freien“ Status zumeist nicht den Regelungen des Arbeitsrechtes unterworfen und auch nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Unternehmen tendieren immer mehr dazu, fest angestellte MitarbeiterInnen in die Scheinselbstständigkeit zu drängen, d.h. ihre Leistungen kontinuierlich in Anspruch zu nehmen, ohne sie als feste MitarbeiterInnen zu beschäftigen.