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Liebknecht - Haus Leipzig

Das ist das Liebknecht-Haus in der damaligen Braustraße 11, heute Braustraße 15, in Leipzig. Wilhelm Liebknecht wohnte vom 1. April 1867 bis Ende Juni 1881 mit seiner Familie in der Parterrewohnung des dreistöckigen Hauses. Am 13. August 1871 wurde hier sein zweiter Sohn Karl Liebknecht geboren. 

Das Liebknecht-Haus zählt zu den wichtigsten Erinnerungsorten der sozialistischen Arbeiter*innenbewegung in Deutschland. Hier befand sich bis zu ihrem Verbot im Jahr 1850 der Sitz der „Arbeiterverbrüderung“*. Ihr Verbot erfolgte im Zuge der politischen Repression nach der niedergeschlagenen Revolution von 1848/49. 

Neben anderen bedeutenden Orten aus jener Zeit, die heute nicht mehr erhalten sind, ist das Liebknecht-Haus eine seltene Ausnahme. Es tauchte erstmals 1859 im Leipziger Adressbuch auf. Ab 1867 nutzte Wilhelm Liebknecht das Haus nicht nur als Wohnort, es war zugleich viele Jahre direktes Aktionszentrum und politischer Brennpunkt der „Bebel-Liebknechtschen Richtung“**. Damit ist das Liebknecht-Haus ein bedeutendes Zeugnis einer entscheidenden Entwicklungsphase der sozialistischen Arbeiter*innenbewegung in Deutschland. 

Im Wohnzimmer, welches heute als Gedenkstätte gestaltet ist, entstand die Zeitschrift "Volksstaat"***. Eine Tafel am Haus erinnert an den Besuch von Karl Marx im Jahre 1874. 

Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs schwer zerstört, doch danach bot sich erstmals die Gelegenheit, auf die große Bedeutung des Hauses für die Geschichte der deutschen Arbeiter*innenbewegung aufmerksam zu machen. Anlässlich des 75. Geburtstages von Karl Liebknecht weihte Wilhelm Pieck**** am 13. August 1946 eine Gedenktafel im Innern des Gebäudes ein. 

Am 13. August 1953 wurde das wieder aufgebaute und nunmehr zum Museum umgewandelte „Karl-Liebknecht-Haus“ der DDR-Öffentlichkeit als eine der ersten Erinnerungsstätten an die revolutionäre deutsche Arbeiter*innenbewegung übergeben. Allerdings war die Ausstellung fast gänzlich auf Leben und Werk Karl Liebknechts beschränkt. Im Vorfeld von Liebknechts 100. Geburtstag erfolgte 1970/71 parallel zur Rekonstruktion des Hauses auch eine Neugestaltung der Gedenkstätte.

Im Zuge der „Friedlichen Revolution“ verlor das Liebknecht-Haus spürbar an Bedeutung. Ohne ausdrücklichen Beschluss der Behörden wurde Ende 1991 die Ausstellung geschlossen; die Bestände gelangten weitgehend in den Fundus des Stadtgeschichtlichen Museums (SGM). Im Jahr 1996 gelang es dem damaligen PDS-Stadtvorstand nach intensiven Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, dass die parteieigene Immobiliengesellschaft VULKAN das Gebäude kaufen und damit einen wichtigen historischen Ort aus der Konstituierungsphase der deutschen Arbeiter*innenbewegung retten konnte. Mehr als eine halbe Millionen Mark Spenden wurden gesammelt, um das Haus zu kaufen und zu rekonstruieren. Mit dem Einzug des Leipziger PDS-Stadtverbandes im Jahr 1998 (seit 2007 DIE LINKE) erfolgte die Umbenennung der Braustraße 15 in „Liebknecht-Haus“ und in Kooperation mit dem SGM die Neugestaltung einer kleinen Gedenkstätte.

Heute beherbergt das Haus im historischen Erdgeschoss die Geschäftsstelle des Leipziger Stadtverbandes der Partei Die Linke. Weiterhin gibt es hier ein Büro des Leipziger MdB Sören Pellmann sowie die Geschäftsstelle des Fußballvereins Roter Stern Leipzig.

Das Haus steht als Begegnungsstätte allen Interessierten offen. Für Veranstaltungen können der ausgebaute Dachboden, das AG/IG-Zimmer und die Gedenkstätte genutzt werden. Bei schönem Wetter steht auch der Garten zur Verfügung. Die Gedenkstätte im Erdgeschoss ist während der Öffnungszeiten der Geschäftsstelle zugänglich, Führungen von Gruppen (auch Schulklassen) sind nach telefonischer Anmeldung möglich. In der Gedenkstätte ist neben einer Weste von ihm auch die originale Schreibmaschine von Karl Liebknecht anzuschauen. Dank vieler Spenderinnen und Spender kann die Schreibmaschine heute auch online hier betrachtet werden.
 

*eine der wichtigsten Organisationen der frühen Arbeiter*innenbewegung

**von August Bebel und Wilhelm Liebknecht geprägte Strömung der frühen sozialistischen Arbeiter*innenbewegung

***die Parteizeitung als eines der wichtigsten Sprachrohr der sozialistischen Bewegung im Deutschen Kaiserreich

****Pieck war neben Otto Grotewohl einer der beiden Vorsitzenden der vier Monate zuvor gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)

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