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78 Jahre Nakba

AG Palästinasolidarität Leipzig

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Die Nakba – ein arabisches Wort für „Katastrophe“ – bezeichnet die Ereignisse rund um das Jahr 1948, die für die palästinensische Bevölkerung einen tiefen historischen Einschnitt darstellen. Der Begriff wurde vom Historiker Constantin Zureiq geprägt, um die existenzielle Dimension dieses Bruchs zu beschreiben: den Verlust von Heimat, Sicherheit und Zukunft.

1948 wurden etwa 750.000 Palästinenser*innen – mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in dem Gebiet, das später zum Staat Israel wurde – vertrieben und zur Flucht gezwungen. Anfang April 1948 starteten Zionisten den Plan Dalet, eine groß angelegte Offensive, um Land zu erobern und es von palästinensischen Arabern zu räumen. Über 500 Dörfer wurden zerstört oder entvölkert, hunderte davon bereits in den ersten Monaten des Konflikts. Massaker und gewaltsame Vertreibungen begleiteten diese Entwicklungen.

Dabei spielten auch zionistische Untergrundmilizen wie die Haganah, Irgun und Lehi eine zentrale Rolle. Sie verübten zahlreiche Übergriffe und Verbrechen an der Zivilbevölkerung, darunter das Massaker von Deir Yassin (107 Zivilist*innen getötet) am 9. April 1948. In dieser Phase wurden große palästinensische Städte entvölkert, darunter Tiberias, Haifa, Akko, Safed, Jaffa sowie das arabische Viertel im Westen Jerusalems. Nach der Staatsgründung Israels gingen viele dieser Milizen in die neu gegründeten israelischen Streitkräfte über.

Für die palästinensische Bevölkerung bedeutete die Nakba nicht nur unmittelbare Gewalt, sondern den Beginn eines anhaltenden Zustands von Vertreibung und Staatenlosigkeit. Die langfristigen Folgen – der Verlust der Heimat, die Zersplitterung der Gesellschaft und das Leben in Flüchtlingslagern – prägen das Leben der Menschen bis heute.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Begriff der „andauernden Nakba“ etabliert. Er beschreibt die Erfahrung vieler Palästinenser*innen, dass Enteignung, Vertreibung und strukturelle Gewalt keine abgeschlossenen historischen Ereignisse sind, sondern sich bis in die Gegenwart fortsetzen – besonders im Kontext des aktuell andauernden Völkermords im Gazastreifen. Einige Stimmen, darunter internationale Beobachter*innen und Organisationen, bewerten die jüngsten militärischen Entwicklungen und die humanitäre Lage als Ausdruck einer fortgesetzten oder sich immer weiter zuspitzenden Nakba.

Das Gedenken an die Nakba ist deshalb nicht nur Erinnerung an die Vergangenheit. Es ist ein politischer und moralischer Akt, der die Kontinuität von Leid und Entrechtung sichtbar macht und die Forderung nach Rückkehr und Gerechtigkeit für die Palästinenser*innen unterstreicht. In einer Zeit anhaltender Gewalt bleibt dieses Gedenken hochaktuell – als Mahnung, historische Verantwortung ernst zu nehmen und Wege zu einer gerechten und dauerhaften Lösung zu finden.

Aus diesem historischen Verständnis heraus stellen wir konkrete Forderungen:

  • Wir gedenken der Nakba als historisches Verbrechen und fordern die Umsetzung der UN-Resolution 194, die palästinensischen Geflüchteten das Recht auf Rückkehr sowie Entschädigung garantiert.
  • Wir fordern ein sofortiges Ende deutscher Waffenlieferungen an den Staat Israel.
  • Wir fordern ein Ende von Vertreibung, militärischer Besatzung und struktureller Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung. Die aktuellen Entwicklungen müssen gestoppt und völkerrechtlich aufgearbeitet werden.
  • Wir fordern gleiche individuelle und kollektive Rechte für alle Menschen zwischen Mittelmeer und Jordanfluss – unabhängig von Herkunft, Religion oder Staatszugehörigkeit. Dazu gehören politische Selbstbestimmung, rechtliche Gleichstellung und Schutz vor Diskriminierung.
  • Wir fordern die Anerkennung der historischen und gegenwärtigen Realität der Nakba und der Rolle, die der Zionismus in diesem Zusammenhang spielt, als Teil eines ehrlichen öffentlichen Diskurses – auch in Deutschland – sowie ein Ende ihrer politischen Verdrängung.
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